Immobilienwirtschaft 3/2024

RAINER MONNET Der Unternehmensentwickler war zehn Jahre Berater und Innovation Manager bei SAP. Er ist Gründer der Forschungsgesellschaft „Die Argonauten“. Er ist Autor und Bienenpfleger. (wertebilanz.com; monnet.biz) AUSSENANSICHTEN EINES UNTERNEHMENS- ENTWICKLERS Architektur kann HEILSAM SEIN. In historischen Stadtteilen zum Beispiel. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Farbe. A U S S E N A N S I C H T E N DIE KOLUMNE Jede(r) hat Berührungspunkte zur Immobilienwelt. An diesem Ort beschreiben Menschen von außerhalb ihre Assoziationen zur polarisierenden Branche. Per pedes streifen meine Frau Barbara und ich gern durch Großstädte. Auf Schusters Rappen verdichten sich Eindrücke und Wahrnehmungen verschiedener Art auf das Angenehmste. Neue Perspektiven öffnen sich unserem Blick. Im Frühling ergänzt das zarte Abertausendgrün der Büsche und Bäume in wundersamer Weise das Stadtbild. Im Winter erschien uns durch das Grau in Grau vieles noch kontrastreicher. Wir betrachten bizarr anmutende Häuserfluchten und vielfältige Quartiersansichten. Sie gleichen einem unruhigen Gewimmel von Baukörpern, Strukturen, Formen und Farben; sie sind weder synchron noch harmonisch. Verwirrende An- und Einsichten. DER SIEGESZUG DES PERSÖNLICHEN GESCHMACKS Kann denn Architektur nicht auch heilsam sein? Auch und obwohl Architektur den Zeichen der Zeit folgt? Unser Sinn für Schönheit wandelt sich. Seit Anfang des letzten Jahrhunderts schossen in vielen Städten die Gebäude nur so in die Höhe. Beton setzte sich neben Stahl als vorherrschender Baustoff durch. Später trug der soziale Wohnungsbau ab Mitte der 1950er Jahre vielerorts zu einer massiven Veränderung der Stadtbilder bei. Eine dritte Entwicklung prägte vor allem die Stadtteile in den Randbereichen und in den weniger besiedelten Gegenden: das Einfamilienhaus. Bei einem unserer Streifzüge durch eine Vorstadt treffen wir auf ein solches allein stehendes Haus aus den 1960er Jahren. Der Hausherr wollte vielleicht Gutes. Er ließ sein Haus in einem zitronigen Gelb anstreichen. Wir hätten gerne die Nachbarn befragt, wie sie dieses Farbabenteuer empfinden. Dass sich das Einzelne in das Ganze harmonisch füge, scheint diesem Hausbesitzer abhandengekommen. Hier konnten wir den Siegeszug des persönlichen Geschmacks verfolgen. Solche und andere Eigenarten des modernen behausten Menschen paaren sich leider gerne mit mangelhaften Fähigkeiten von Architekten. Diese verfügen all zu oft über geringe ästhetische Sensibilität. Oder verwechseln sie vielleicht Funktionelles mit Ästhetik? Kolumne Denk ich an Immo ... 1) https://bzb-bremen.de/allgemein/verleihung-der-bremer-auszeichnung-fuer-baukultur-am-14-juli-2022/?q=schilling 2) https://www.beck-shop.de/farbe-raum-hans-albrecht-schilling/product/32212708 126 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2023

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