123 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 das jederzeit Wärme benötigt. In den Niederlanden wird diese Anbauweise in Form von Urban Farming bereits seit Jahrzehnten erfolgreich umgesetzt.“ RECHENZENTREN ALS MITOCHONDRIEN MODERNER QUARTIERE Der Blick in die deutsche Praxis zeigt, wie Rechenzentren gewinnbringend innerhalb eines Stadtquartiers eingebunden werden können. So entsteht unter anderem westlich der Frankfurter Innenstadt mit dem „Frankfurt Westside“ das größte gemischte Industrie- und Gewerbequartier der Stadt. Ein zentraler Bestandteil des Projekts: zwei leistungsstarke Rechenzentren. „Die Abwärme der geplanten Rechenzentren von CyrusOne wird unsere gesamte Quartiersentwicklung ,Westside‘ beheizen. Mit der richtigen Planung und Umsetzung ist eine nachhaltige Nutzung von rund der Hälfte der von den Rechenzentren benötigten Energie möglich. Das ist ein klarer Win-win für alle Beteiligten“, erzählt Beos-Niederlassungsleiter Stephan Gubi. Die Projektgesellschaft Beos und Swiss Life AM haben das Areal 2020 übernommen und planen auf dem ehemaligen Chemiestandort mit über 180-jähriger Geschichte ein hochmodernes Quartier mit breitem Branchenspektrum. Und auch außerhalb Frankfurts entstehen derzeit nachhaltige Best-Practice-Beispiele. Etwa in der Nähe von Düsseldorf im Rhein-Kreis Neuss: Dort soll ein altes, denkmalgeschütztes Kohlekraftwerk zu einem digitalen Forschungspark entwickelt werden. In diesem Projekt sind ebenfalls Rechenzentrumsflächen als zentraler Teil der Entwicklung eingeplant: „In unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk entwickelt ein Hyperscaler aktuell drei Großrechenzentren mit einer Anschlussleistung von insgesamt über 600 Megawatt“, beschreibt der Head of ICT und Partner der Drees & Sommer SE Dederichs. Eine enorme Leistungsstärke, die vermutlich auch kurz- und mittelfristig zu weiteren Ansiedlungen an diesem Standort beitragen wird. DIE AKTEURE SIND IM ZUGZWANG Wie bereits angedeutet, wird sich die geografische Lage der Rechenzentren nicht nur aufgrund der Kapazitätenfrage über das Rhein-Main-Gebiet hinaus weiter ausdehnen. „Auch die weitere Regionalisierung der Hyperscaler (AWS, Google, Microsoft) treibt das Interesse an lokalen Märkten. Nachdem Berlin ein signifikantes Wachstum verzeichnen konnte, treten nun Märkte wie München und Düsseldorf in den Fokus von Rechenzentrumsbetreibern und Investoren“, stellt Jan Linsin fest. Der größte Nachfragezuwachs wurde dabei in den vergangenen Jahren bei den Colocation-Rechenzentren beobachtet, bei dem Nutzer die IT-Infrastruktur outsourcen. „Kunden betreiben ihre eigene Hardware in Rechenzentren, die ihnen als Dienstleistung bereitgestellt werden. Salopp könnte man Colocation auch als ,Server-Hotel‘ bezeichnen“, erläutert Dirk Turek. Klar ist: Nutzer und Betreiber sind in dringendem Zugzwang. Wie und in welcher Form die beteiligten Akteure den steigenden Anforderungen und den enormen Kostensteigerungen begegnen, ist also auch immer eine strategische Frage. Die entsprechenden Strukturen dafür sollten nun so schnell wie möglich geschaffen werden. 1 FRANKFURT WESTSIDE Auf dem rund 73 Hektar großen Areal entsteht ein hochmodernes Quartier. Die Abwärme der Rechenzentren wird zukünftig als Heizenergie dienen 1
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