Immobilienwirtschaft 3/2024

120 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 Nachhaltigkeit & Technologie Rechenzentren 600 Das Cluster Frankfurt/ Rhein-Main hat Europas höchste Rechenzentrumsdichte. Die Kapazität stieg von 2011 bis Ende 2023 um gut 600 Prozent und damit 40 Prozent jährlich. zu reduzieren und gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Zu den vielversprechenden Ansätzen gehören der Einsatz effizienterer Hardware, die Umstellung auf Wasserkühlungssysteme anstelle der traditionellen Luftkühlung und die Nutzung der Abwärme für Heizzwecke, vor allem Fernwärme. Inmitten der Diskussion sind die Augen vor allem auch auf die deutsche Metropole Frankfurt am Main gerichtet. FRANKFURT ALS UNANGEFOCHTENER DEUTSCHER DATENZENTRUMS-HOTSPOT Denn die steigende Nachfrage macht sich vor allem an den Hotspots stark bemerkbar. Wie CBRE in ihrem „Real Estate Market Outlook“ geschrieben hat, etabliert sich Deutschland, aber vor allem die Finanzhochburg Frankfurt am Main, als absoluter Hotspot und zukunftsfähiger Standort für leistungsstarke Rechenzentren im europäischen Rahmen heraus. Die Vorteile des Standorts Frankfurt lassen sich dabei nicht von der Hand weisen. Neben der zentralen Lage innerhalb Europas glänzt die Mainmetropole mit einer höchst zuverlässigen Stromversorgung und als einer der größten Internetknoten der Welt. „Das Cluster Frankfurt/Rhein-Main hat Europas höchste Rechenzentrumsdichte, die Kapazität stieg von 2011 bis Ende 2023 um gut 600 Prozent und damit 40 Prozent jährlich“, erläutert Dr. Dirk Turek, Senior Research Analyst Data Centre Solutions bei CBRE. Dennoch: Das enorme Wachstum setzt die Immobilienmärkte mehr denn je unter Druck. „Flächen, die für ein Rechenzentrum infrage kommen, sind in allen großen Märkten rar geworden.“ Das liegt aber vor allem an der Stromverfügbarkeit auf potenziellen Flächen. „Ein Netzan5,2 Milliarden Menschen sind mittlerweile online – Tendenz steigend. Dazu wird EY zufolge allein in Deutschland die Zahl der internetfähigen Objekte, wie intelligente Gebäude, Autos oder auch Smartwatches und Datenbrillen, von 2,3 Milliarden im Jahr 2020 auf sieben Milliarden im Jahr 2030 steigen. Schätzungen zum KI-Wachstum gehen unterdessen von bis zu 36 Prozent jährlich aus. Kurzum: Die Datengenerierung und -replikation durch das Internet of Things (IoT), Gaming, autonomes Fahren, Streaming und KI führt zu einem exponentiellen Wachstum der Datenmenge. Die Bundesnetzagentur prognostiziert einen Anstieg der weltweiten Datenmenge von 64 Zettabyte im Jahr 2020 auf 175 Zettabyte 2025 – zur Einordnung: Ein Zettabyte entspricht einer Milliarde Terabytes. Wie stark die Entwicklung wirklich ist, zeigt auch die Einführung neuer Zahleneinheiten Ende 2022: Erstmals seit 30 Jahren sahen sich Experten dazu veranlasst, neue Präfixe einzuführen, die Zahlen mit 27 oder 30 Nullen beschreiben – Ronna und Quetta. Anders waren unter anderem Speicherkapazitäten im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr in Worte zu fassen. Diese Entwicklungen lassen die Nachfrage nach leistungsstarken Rechenzentren weiter ansteigen – auch wenn sich die wirtschaftliche Gesamtlage in den vergangenen Jahren verändert hat. Gleichzeitig stehen Rechenzentren im Zentrum der Nachhaltigkeitsdebatte. Zwar sind sie essenziell für die Verarbeitung und Speicherung stetig wachsender Datenmengen. Aber der ebenso zunehmende Energieverbrauch wird im Hinblick auf die Klimaziele bis 2045 stark diskutiert und stellt die beteiligten Akteure vor große Herausforderungen. Die Branche sucht daher nach Wegen, den Energieverbrauch LASST DATA-CENTER GRÜNER WERDEN Die Nachfrage nach LEISTUNGSSTARKEN RECHENZENTREN wächst. Doch wie halten diese es mit der Nachhaltigkeit? Nischenerkundungen in Frankfurt am Main und anderswo. TEXT Annabell Meyer

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==