Immobilienwirtschaft 3/2024

114 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 Nachhaltigkeit & Technologie Die Reportage tig vormontiert sein. Diese Definition der KfW dient nicht nur zu einer besseren Erklärung der Technologie. Sie ist auch der Knackpunkt, wenn es um die finanzielle Machbarkeit der Sanierung geht. Denn bei allem Bewusstsein für die Nachhaltigkeitswende im Gebäudesektor – damit die serielle Sanierung aktuell für Immobilieneigentümerinnen und -eigentümer wirtschaftlich ist, spielt die Höhe der Fördersumme eine wesentliche Rolle. Die Deutsche Energieagentur (dena) sieht die Förderung für serielle Sanierung im Rahmen der Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) als Booster für die Technologie. Eine Auswertung hat ergeben, dass jede sechste Sanierung zum Effizienzhaus 40 oder 55, die 2023/24 im Rahmen der BEG-Förderung beantragt wurde, eine serielle Sanierung war. Bezogen auf die Wohneinheiten war es im ersten Quartal 2024 sogar jede vierte Wohnung, die seriell saniert werden soll. Vor Einführung des Bonus machten laut Angaben der dena serielle Sanierungen nicht einmal zwei Prozent aus. Die BEG-Reform trat am 1.1.2023 in Kraft und enthielt erstmals einen Förderbonus von 15 Prozent für serielle Sanierungen bei Wohngebäuden (SerSan). Grundvoraussetzung für den Förderbonus ist das Erreichen des Effizienzhausstandards 55 oder 40. Der Bonus wird in Form eines Tilgungszuschusses oder als direkt ausgezahlter Zuschuss von der KfW-Bank gewährt. Der Bonus für die serielle Sanierung kann mit dem Bonus für das Worst Performing Building (WBP) kombiniert werden, dessen Höhe (eigentlich) zehn Prozent beträgt. Allerdings ist die Fördersumme für die Kombination aus beiden Boni auf 20 Prozent gedeckelt. Zusätzlich kann entweder die Erneuerbare-Energien-Klasse (EE-Klasse) oder die Nachhaltigkeitsklasse (NH-Klasse) erreicht werden. Wenn eine der beiden Klassen erreicht wird, gibt es einen zusätzlichen Tilgungsbonus in Höhe von fünf Prozent. Zusammen mit der Standardförderung für Sanierungsprojekte in Höhe von 15 Prozent können so für serielle Sanierungsprojekte bis zu 45 Prozent Tilgungszuschuss (Effizienzhaus 40 + EE + WPB + SerSan) und bis zu 15 Prozent Zinsvorteil durch vergünstigte KfW-Kredite gewährt werden (siehe Tabelle). SO LÄUFT DIE PRODUKTION AB Die Rahmenbedingungen für die serielle Sanierung sind klar. Aber wie funktioniert nun die Produktion? Im Gegensatz zu den Holzganzwandelementen im Neubau enthält das Fassadenelement für die serielle Sanierung keinen Tragkern aus Stielen, da die Lasten aus dem Gebäude weiterhin über dessen bestehende Außenwände abgeleitet werden. Die vorgefertigten Fassadenelemente werden fertig an die Baustelle geliefert und an der Gebäudehülle des Bestandsgebäudes befestigt. Der Abstand beträgt in der Regel circa 60 Zentimeter, um gegebenenfalls Unebenheiten der bestehenden Fassade auszugleichen. Außerdem kann der Spalt genutzt werden, um die technische Gebäudeausrüstung (TGA) unterzubringen. Der restliche Abstand kann gegebenenfalls mit einer zusätzlichen Dämmung ausgeblasen werden. Um die Fassadenelemente passgenau und maßgeschneidert herstellen zu können, ist bei der seriellen Sanierung ein 3D-Aufmaß des Bestandsgebäudes erforderlich. Meist wird dieses aus einer Kombination von einem LaserscanAufmaß und einer Drohnenbildauswertung (Photogrammetrie) erstellt. Aus der erzeugten Punktwolke lässt sich dann ein maßstabsgetreues 3D-Modell erstellen, das einen digitalen Zwilling des Gebäudes darstellt und in ein BIM-Modell übertragen werden kann. Auf Basis des Modells wird dann die Werkplanung der Fassadenmodule erstellt. Die hohe Flexibilität des Systems lässt dabei verschiedenste Fassadengestaltungen zu. Wenn die Planung abgeschlossen ist, werden die nach 3D-Modell individuell geplanten Fassadenelemente automatisiert im Werk gefertigt: Die Abbundanlage, also die Maschine zur Holzverarbeitung, fertigt Verschnitt-optimiert aus einem Stiele-Magazin (dort werden die Holzbalken gelagert) vollautomatisch alle erforderlichen Einzelteile. Über die Riegelwerksstation werden diese Einzelteile dann im Durchlauf mit einem Roboter zum Riegelwerk, einem zusammenhängenden Element, zusammengesetzt. Die jeweiligen individuell für das Bauvorhaben 1 20 PROZENT der Mehrfamilienhäuser im Bestand sind laut GdW für die serielle Sanierung geeignet 2 BAU-MINISTERIN KLARA GEYWITZ besucht die neue Werkshalle und wirbt für den seriellen Wohnungsbau beziehungsweise die serielle Sanierung <1 DIE SANIERUNGSQUOTE IN DEUTSCHLAND BETRÄGT UNTER EINEM PROZENT. NÖTIG WÄREN CIRCA DREI PROZENT. DIE SERIELLE SANIERUNG KANN HIER EIN WIRKSAMER HEBEL SEIN.

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==