Immobilienwirtschaft 3/2024

112 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 Nachhaltigkeit & Technologie Die Reportage einem Produktionsstandort als andächtige Stille. Handwerkliche Bodenständigkeit ohne viel Lärm zu machen, die Ergebnisse für sich sprechen zu lassen – das ist jedoch ein wesentliches Merkmal von B&O. 1958 wurde das Unternehmen von Edith Bihler, Max Oberneder, Gustav Dick und Udo Lindauer als Dachdeckerbetrieb „Bihler und Oberneder“ gegründet und mauserte sich schnell zu einem führenden Unternehmen im Bereich Dach- und Fassadenbau. 1989 wurde die Firma an Private- Equity-Investoren verkauft. Zehn Jahre später sollte B&O bei der Dachsanierung des Münchner Olympiastadions helfen. Ein so wichtiger Auftrag, dass das Dach sogar bis vor Kurzem das Logo von B&O zierte. Nach einem Management-Buy-out 2004 wurde die Unternehmensstruktur verändert und unter der B&O Gruppe zusammengefasst. Seitdem erinnern nur noch die Buchstaben B&O an die Historie des Betriebs, auch auf der Website sucht man vergeblich nach den Informationen. HOLZ ALS BESTÄNDIGER ROHSTOFF Auch wenn der Neubau seit jeher zum Kerngeschäft des Unternehmens gehört, engagiert es sich seit der Jahrtausendwende auch in der Sanierung. Eine Spezialität des Unternehmens mit Hauptsitz in Bad Aibling ist der Holzbau. Aktuell liegt der Holzbau aus Gründen der Nachhaltigkeit wieder voll im Trend, doch das war nicht immer so. Dass B&O auf den eigenen Instinkt gehört hat und ihrer Linie treu geblieben ist, wird auch bei der Werkseröffnung nicht ohne Stolz erwähnt. Maren Kern, Vorständin BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V., fasst in ihrer Rede zusammen: „B&O hat auf Holz gesetzt, als viele beim Stichwort Holz nur an die Feuerwehr gedacht und den nächsten Löschteich gesucht haben.“ In Frankfurt/Oder wird auf die Verarbeitung der Märkischen Kiefer aus der Umgebung gesetzt. Laut Kern sei das dreifach klimafreundlich: Der Rohstoff ist nachwachsend und regional zu finden, Holz bindet CO2 und Holz ist kreislauffähig. Auch Prof. Dr. Philipp Misselwitz, Geschäftsführer Bauhaus Erde, Architekt und Experte für Stadtplanung, betont in seinem Vortrag die Bedeutung von Holz als Baustoff: Die CO2-Werte müssten entlang der gesamten Produktwertschöpfungskette betrachtet werden. Die Hälfte der CO2-Emissionen beim Bauen entstünden durch das Material und nicht durch den Gebäudebetrieb. NEUES HOCHLEISTUNGSWERK IM HERZEN EUROPAS Der Service der B&O Bau GmbH besteht darin, als Generalunternehmerin schlüsselfertige Lösungen für den Wohnungsbau zu liefern. Das Unternehmen setzt auf vorgefertigte Elemente, die es hier im Werk selbst produziert. Dabei kommen hochgradig automatisierte Fertigungsprozesse zum Einsatz. Verarbeitet wird vor allem das erwähnte regionale Kiefernholz, das als Ausgangsmaterial für Holzfassaden und Holzmassiv- sowie Holzrahmenwände verwendet wird. Die vorgefertigten Bauelemente werden dann in unter1 2 „BESTANDSGEBÄUDE KÖNNEN HEUTE NACH DER SERIELLEN SANIERUNG NET-ZERO-STANDARD IM BETRIEB ERREICHEN.“ Dr. Friederike Münn, Prokuristin B&O Bau

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