OBJEKTDATEN: DER FICHTEBUNKER Standort: Berlin-Kreuzberg Baujahr: 1883/84 Nutzungszweck: ursprünglich Gasometer, später Bunker, jetzt unter Denkmalschutz Dimensionen: Höhe 21 Meter; Durchmesser 56 Meter Projekt: „Circle Houses“ – gebaut zwischen 2007 und 2009, zwölf zweigeschossige Eigentumswohnungen auf dem Dach des Fichtebunkers Bauherr: Projektentwicklung Speicherwerk Wohnbau GmbH Architekt: Paul Ingenbleek Investitionskosten: 7,34 Millionen Euro (ohne Grundstück) bauwerks so wenig wie möglich zu beeinflussen, wurde neben dem „Fichtebunker“ ein freistehender Treppen- und Fahrstuhlturm gebaut. URSPRÜNGLICH EIN GASOMETER Nur durch diese Besonderheiten war es überhaupt möglich, das 1883/84 errichtete Gebäude anders zu nutzen. Ursprünglich war der Backsteinbau ein Gasometer: eines von vier derartigen Bauwerken, die zur Versorgung der Berliner Straßenbeleuchtung eingesetzt wurden. Der „Fichtebunker“ ist als einziges übrig geblieben. Seinen heutigen Namen hat der ehemalige Gasometer durch seine Lage an der Fichtestraße bekommen – und weil das Bauwerk im Zweiten Weltkrieg als Hochbunker diente. Als Versorgungszentrale für die Berliner Straßenbeleuchtung war es da schon längst nicht mehr nötig: Diese war inzwischen auf Elektrizität umgestellt. Auch der Bunker hatte gigantische Ausmaße. Überwiegend Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zogen auf sechs Etagen in den ehemaligen Gasometer ein. Es gab fünf Treppenhäuser, 30 Küchen und insgesamt 770 Zimmer. Ausgelegt war der Bunker für 7.000 Menschen – doch in der Spitze sollen dort bis zu 30.000 Menschen Schutz gesucht haben. Nach dem Krieg war der „Fichtebunker“ Flüchtlingsunterkunft, Jugendarrest und zuletzt bis in die 1960er Jahre Obdachlosenasyl. Dann stand der Rundbau leer – inzwischen wird er in Teilen als Museum genutzt. Immer wieder streckten auch Investoren ihre Fühler aus, um das markante Bauwerk anders zu nutzen. INGENBLEEKS ENTSCHEIDENDE IDEE Doch erst dem Berliner Architekten Paul Ingenbleek gelang der entscheidende Durchbruch – durch die Idee, nicht den Bunker an sich umzubauen, sondern Wohnungen auf dem Dach zu errichten. Das ließ sich mit den strengen Vorgaben des Denkmalschutzes vereinbaren. Ingenbleek gewann befreundete Investoren für seinen Entwurf der „Circle Houses“, die Projektentwicklerfirma Speicherwerk Wohnbau GmbH kaufte schließlich 2006 das Objekt samt Grundstück vom Land Berlin. Um das Projekt zu finanzieren, entstand zusätzlich zu den zwölf Wohnungen auf dem Bunkerdach auf dem Gelände ein Neubau mit Loftwohnungen und Tiefgarage. 1 DER „FICHTE- BUNKER“ Zwölf exquisite Eigentums- wohnungen in 21 Metern Höhe 2 KUNSTWERK TREPPENHAUS Ein freistehender Treppen- und Fahrstuhlturm erschließt die Wohnungen 3 DER NEUBAU mit Loftwohnungen neben dem Bunkergebäude half bei der Finanzierung 1 3 2 109 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024
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