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2.2015
zeuge, die Strom über ein intelligentes
und interaktives kontinentales Strom-
netz kaufen und verkaufen können.
Des Weiteren geht es bei Rifkin um eine
neue – teilende – wirtschaftliche Organi-
sationsform, ein System des Gemeinguts.
Säule 1: Der Umstieg auf erneuerbare
Energien
Rifkin dazu: Der Übergang zu
einemSystem, das auf erneuerbaren Ener-
gien beruht, vollziehe sich weit schneller
als vor Kurzem noch gedacht. Gleichzei-
tig sinke der Preis wegen technologischer
Durchbrüche. So dürften die Kosten für
photovoltaisch erzeugten Strom jährlich
um acht Prozent sinken. Einer Schätzung
des Verbands der Europäischen Photovol-
taik-Industrie brächte die Installation von
Solaranlagen auf allen geeigneten existie-
renden Gebäudeoberflächen etwa 40 Pro-
zent des gesamten Strombedarfs der EU.
Ist das aber für Deutschland realis-
tisch? Betrachten wir dies für den Bereich
der Photovoltaik (PV)-Anlagen:
Viele neue Geschäftsmodelle gingen
von einem nicht subventionierten Markt
und einem Selbstverbrauch der erzeugten
Energie aus, so Emanuele Paese, Head of
Sales & Marketing Europe von Innotech
Solar, einemHersteller von Solarmodulen.
Allerdings werden 75 Prozent unseres
Stromes noch immer nicht von erneuer-
baren Quellen eingespeist, sagt Eicke We-
ber, Direktor des Fraunhofer Instituts für
Solare Energiesysteme in Freiburg. Der
Zubau der PV sei in 2014 praktisch zum
Stillstand gekommen. Die Verunsiche-
rung der Investoren wachse. Aufgrund ei-
ner Versechsfachung der EEG-Umlage auf
heute 6,2 Cent, die fast alle Stromkunden
zahlen müssen, sei es, so Weber, möglich
geworden, auf die Umlage einzudreschen.
Die jüngste EEG-Novelle
Sie hat nicht nur
dafür gesorgt, dass Selbstverbraucher von
Solarstrom keine Subventionen mehr in
Anspruch nehmen können. Sie müssen
darüber hinaus eine 40 Prozent Umlage
auf den selbstverbrauchten StromvonAn-
lagen über 10 kw Leistung bezahlen. Das
kann dieWirtschaftlichkeit vieler Anlagen
gefährden und trägt zu einer großen Ver-
unsicherung von Investoren bei.
Und die Situation bei der Beschaffung
der Anlagen? Dr. Thomas Glimpel, Leiter
Geschäftsentwicklung bei RWE Deutsch-
land ist eher skeptisch: Es sei zwar von
weiter sinkenden Produktionskosten aus-
zugehen. Die Preisgestaltung der Technik
hänge jedoch von der Marktmacht der
meist fernöstlichen Produzenten ab.
Glimpel: „Wir glauben, dass zumin-
dest in Deutschland auch dann noch PV-
Zubau erfolgt, wenn die EEG-Fördersätze
weiter abgesenkt worden sind. Unserer
Einschätzung nach wird die Rentabilität
aus Sicht europäischer PV-Anwender
trotz geringerer Herstellungskosten für
Module aber nicht steigen. Vor diesem
Hintergrund erscheint uns ein EU-weiter
PV-Produktionsanteil von 40 Prozent auf
absehbare Zeit eher ambitioniert.“
Er sagt aber auch: Die dezentrale PV-
Erzeugung als solche erscheine weiterhin
so interessant, dass RWE seine Retail-Ge-
schäftsmodelle intensiv darauf ausrichte.
Zwischenfazit: Bewölkt
Wie steht es um
die Zukunft der erneuerbaren Energien?
Zwar hat die Bundesregierung einige am-
bitionierte Punkte im Koalitionsvertrag
gestrichen. Das Ziel ist aber nach wie
vor ein Wachsen dieses Industriezweiges,
wenn auch nicht mehr in dem Maße wie
vor der Großen Koalition proklamiert.
Dies soll etwa erreicht werden durch
Aufstockung, Verstetigung und Vereinfa-
chung des KfW-Förderprogramms. Auch
die steuerliche Absetzbarkeit von Investi-
tionen in Ökowärme-Systeme und Sanie-
rungen ist wiederThema – immerhin.
«
Dirk Labusch, Freiburg (mit Dank an Michael Brey,
BBA-Vorstand, für seine Anregungen)
Diskutieren Sie mit auf linkedin:
In unserer Gruppe InDIR:A geht es um die
Frage, inwieweit Sie die Thesen von Rifkin
teilen. Welche Bedeutung haben sie für die
aktuelle Diskussion zum Thema „Energie“?
Und was bedeuten die Thesen tatsächlich
für die Immobilienwirtschaft?
Verschiedene Entwicklungen, etwa der massive Internetausbau, haben
großen Einfluss auf die Gesellschaft. Einige Visionäre, wie der Soziologe
Jeremy Rifkin, sagen beachtenswerte Dinge voraus, auch für die
Immobilienwirtschaft. Illusorisch? Visionär? Oder mehr? – Eine Serie.
Der Umstieg auf erneu-
erbare Energien ist eine
der Säulen einer indus-
triellen Revolution. Doch
erscheint ein Anteil
von 40 Prozent an der
Stromversorgung noch
als Zukunftsmusik.
Immobilienwirtschaft nach der
Dritten Industriellen Revolution:
Aspekte und Ausblicke
In
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