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-8.2014
Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Zeit ist knapp. Deshalb haben wir in unserem Heft die Epoche der In-
fografiken eingeläutet (Seite 8, 16, 36 usw.). Doch knappe Zeit ist eine
Geißel und kann schnell zu Halbwahrheiten führen. Wenn das Pestel
Institut die Millionen benötigter Sozialwohnungen auf vier Komma
zwei beziffert, obwohl Statistiker immer wieder versichern, diese
Zahl lasse sich gar nicht ermitteln, ist eigentlich Skepsis angebracht.
Doch es fehlt die Zeit zu kritischen Fragen. Vielleicht sollten wir sie
uns nehmen? „Deutsche sind Europas Sparmeister“, „Olivenöl senkt
das Diabetes-Risiko“, „Männer verdienen mehr als Frauen“ ... Alles
Botschaften, die wir längst im Stammhirn haben. Vergessen Sie sie, alle
sind in dieser Pauschalisierung falsch
Zeiten ändern sich. Asiaten kommen (Seite 18) und eine neue industri-
elle Revolution beim Bauen mit Computerchips und Lichtschaltern
zum Aufkleben. Core wird unwichtig, langfristige Kapitaldienstfähig-
keit zählt. Dafür gibt es aber sicher auch ein knackigeres englisches
Wort, denn: Zeit ist knapp!
Cut.
Du, Vermieter eines Neubaus im Ballungsgebiet, wenigstens du, bleibe
ruhig. Such dir deinen ersten Mieter ohne hektische Momente. Lerne
Bandwurmsätze, lade ihn zum ewiglich ziehenden Tee ein, nimm dir
Zeit. Kauf ihm Blumen, pass auf seinen Hund auf, besorge ihm gar
einen Job und sorge mit viel Liebe und Aufmerksamkeit dafür, dass er
nicht nur den Sommer über bleibt. Die Mietpreisbremse bremst nur
beim ersten Mieter nicht, beim zweiten schon mit voller Wucht. Das
zeigt tatsächlich: Zeit ist Geld – nur umgekehrt.
Ihr
„Knappe Zeit führt zu
Halbwahrheiten, die
meist mangels Zeit nicht
aufgedeckt werden.
Die Mietpreisbremse
lehrt uns, wieder mehr
Zeit für den Anderen zu
haben.“
Dirk Labusch
, Chefredakteur