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6.2014
uns wohnen.“ SeinUnternehmen überlege
sich deshalb, welche Dienstleistungen es
älteren Mietern anbieten könne.
HENDRICKS: „MIETPREISBREMSE KOMMT“
„Es wird künftig einen großen Anteil an
Hochbetagten geben“, sagte auch Dr.
Barbara Hendricks (SPD), Bundesmi-
nisterin für Umwelt und Bau. „Deshalb
brauchen wir mehr Barrierearmut.“ Um
dies zu unterstützen, arbeite die Politik
derzeit an einer Neuauflage des KfW-
Programms Altersgerecht Umbauen. In
der Koalitionsvereinbarung hatten sich
SPD und Union darauf verständigt, dieses
Programmneu aufzulegen undmit Inves
titionszuschüssen auszustatten. Derzeit
sind aber keine Mittel dafür vorgesehen.
Dies werde jedoch „im nächsten Jahr auf
alle Fälle stattfinden“, versprach Hend-
ricks’ Parlamentarischer Staatssekretär
Florian Pronold im Rahmen einer ande-
ren Diskussionsrunde.
Hendricks selbst bekräftigte ihre Dia
logbereitschaft. „Die Große Koalition
schafft die Voraussetzungen dafür, dass
Ihre Branche weiter eine gute Entwicklung
nimmt“, versicherte sie. In der Sache aller-
dings benannte sie die unterschiedlichen
Auffassungen deutlich. „Wohnraum ist ein
Gut der Daseinsvorsorge, das wir nicht al-
lein den Kräften des Marktes überlassen
dürfen“, sagte sie. „Klar, das freut Sie nicht,
aber die Mietpreisbremse wird kommen.“
Immerhin bestätigte sie, „dass es eine zeit-
liche Begrenzung geben wird“.
Auch der Forderung nach einer Wie-
dereinführungder progressivenAfa für den
Mietwohnungsbau erteilte die Ministerin
eine unmissverständliche Absage: „In die-
ser Legislatur wird es keine Erhöhung der
Abschreibung geben. Also legen Sie los und
warten Sie nicht auf Steuervorteile!“ Kom-
promissbereitschaftdeuteteHendricks hin-
gegen bei einem anderenThema an, das in
der Wohnungswirtschaft für große Unmut
sorgt, nämlich bei der geplanten zeitlichen
Begrenzung der Modernisierungsumlage:
Diese bringe in der Tat Probleme mit sich,
räumte Hendricks ein. „Das werden wir
vorurteilsfrei besprechen.“
PLÄDOYER FÜR VARIABLE ARCHITEKTUR
Einen Blick in die Zukunft warf der zwei-
te Hauptredner, Matthias Horx vom Zu-
kunftsinstitut. Er stellte die „Megatrend-
Map 2.0“ vor, die von Begriffen wie Kon-
nektivität und New Work, Female Shift
und Silver Society sowie – nicht sonderlich
innovativ –Urbanisierung undGlobalisie-
rung geprägt ist. Dabei, so der Zukunfts-
forscher, sei die zunehmende Individu-
alisierung ein entscheidender Trend. So
gebe es mittlerweile zahlreiche unter-
SUMMARY
»
Beim alljährlichen ZIA-Treff
ging es um die altersgerechte Stadtentwicklung, nachhaltige Quartiere, veränderte Lebensstile –
und vor allem ums Networking.
»
Dr. Barbara Hendricks (SPD), Bundesministerin für Umwelt und Bau,
erteilte der Forderung nach einer
Wiedereinführung der progressiven Afa für den Mietwohnungsbau eine Absage.
»
Matthias Horx, Zukunftsinstitut,
forderte eine neue räumliche
Struktur für die Wohnung, etwa mit der Küche als zentralem Treffpunkt.
»
Dr. Andreas Mattner, ZIA-Präsident,
verlangte die finanzielle Gleich-
stellung von Pflege im Quartier mit derjenigen im Heim.
»
Foto:s ZIA, Norbert Weidemann, www.weidemann.info
„Das Vier-Module-
Modell bestehend aus
Guest, Hub, Love,
Work lässt sich auch
im innerstädtischen
Bereich realisieren.“
Matthias Horx,
Zukunftsinstitut
„Wir dürfen Daseinsvor-
sorge nicht allein den
Marktkräften überlassen.
Die Mietpreisbremse
kommt.“
Dr. Barbara Hendricks
(SPD),
Bundesministerin für Umwelt und Bau
ebenso wie technische Gebäudeausstat-
tung und wohnungsnahe Pflege umfasse.
Wichtig sei insbesondere, dass die Pflege
imQuartierszusammenhang künftig nicht
mehr finanziell schlechter gestellt sei als
die Pflege im Heim. „Noch stehen wir am
Anfang“, sagte Mattner vor Journalisten.
„Ich will und kann die Antworten noch
gar nicht geben.“
Dabei sei das Engagement der Immo-
bilienwirtschaft nicht uneigennützig, er-
gänzte Thomas Zinnöcker, Vizepräsident
des ZIAundCEOdesWohnungskonzerns
Gagfah, auf der Pressekonferenz amRande
der Veranstaltung: „Es liegt ja auch in un-
serem Interesse, wenn dieMieter lange bei