Seite 24 - Immobilienwirtschaft_2011_02

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Titelthema
02 | 2011
Die ehemalige iMakler GMBH, die Vermittlung
von Immobilien zum Festpreis anbietet, wurde
im April 2010 nach einer Differenz unter den
Gesellschaftern unter Gläubigerschutz gestellt.
Im Herbst begann der Start mit einer neuen
Gesellschafterstruktur. Harald Blumenauer
spricht über das Scheitern, den Neuanfang
und die Unternehmensphilosophie.
Herr Blumenauer, die Übernahme
von iMakler GmbH erfolgte durch die
FSBO-Beratung, welche durch Ihre Fami-
lie getragen wird. Was bedeutet FSBO?
Blumenauer:
FSBO steht für „For Sale
by Owner“. Der Preis für die Dienst-
leistung fällt für den Verkäufer an und
liegt bei einer einmaligen erfolgsun-
abhängigen Gebühr pro Angebot und
Dienstleistungsart/-umfang. Bei iMakler
wird die Dienstleistung beispielsweise
mit einem Fixpreis von 999 Euro ver-
gütet.
Ein Basiselement hierbei ist, auf
Maklerprovisionen zu verzichten. Dieses
Konzept setzt sich seit einigen Jahren in
internationalen Märkten durch und ist
auch Kern der iMakler-Idee.
Was ist dafür geboten?
Blumenauer:
Die Unterstützung des
Verkäufers bei der Vermarktung seiner
Immobilie mit einer breiten Palette an
Dienstleistungen: Sie reichen von der
Markteinschätzung durch einen neu-
tralen Sachverständigen über die Me-
dienpräsentation und Vertragsverhand-
lungen bis hin zu After-Sale-Services wie
Umzugsplanung.
Wieso ging der erste Anlauf schief und
wie entwickeln sich die Geschäfte jetzt?
Blumenauer:
Der erste Start von iMak-
ler wurde durch die Finanzmarktkrise
ausgebremst: 2009 und Anfang 2010
haben wir einen Angebotsrückgang von
mehr als 30 Prozent verzeichnet. Die
Deutschen neigen nun einmal dazu, in
wirtschaftlich schwierigen Zeiten erstens
auf Altbewährtes zu setzen, und zwei-
tens: Wer nicht muss, verkauft nicht und
schon gar nicht in Krisenzeiten. Doch
seit ein paar Monaten ist Bewegung im
Markt.
Haben Sie das selbst gesteckte Ziel von
mehr als zwei Millionen Besuchen auf
den Online-Exposés der iMakler im
vergangenen Jahr erreicht?
Blumenauer:
Im Grunde und unter den
gegebenen Umständen: Ja. 2010 haben
wir 1,5 Millionen Besuche registriert.
Insgesamt haben sich uns Verkäufer mit
einem Immobilienvolumen von nun-
mehr rund 300 Millionen Euro anver-
traut.
Der Immobilienberater Blumenauer sieht „For Sale by Owner“–
Konzepte auch in Deutschland auf dem Vormarsch.
Was macht Sie so sicher, dass in ab-
sehbarer Zukunft die provisionsorien-
tierte Vergütung aus der Mode kom-
men wird?
Blumenauer:
DerVerbraucher.Durchdie
Möglichkeiten der modernen Medien ist
der Nachweis einer Adresse kein brauch-
barer Aufhänger mehr für eine Provisi-
onsbegründung.
Diese
Information beschafft sich
der Verbraucher mehr
und mehr selbst. Die klas-
sische Beweismöglichkeit
der Ursächlichkeit wird
bald entfallen. Somit
auch das bisherige Erfolgsmodell. Die
Beratung tut aber not. Selbst beim Kauf
einer guten Flasche Wein holt man sich
eine Beratung. Verkäufer wie Käufer
von Immobilien sind heute besser in-
formiert als je zuvor und verlangen eine
professionelle Beratung. Wie die Ent-
wicklung der Marktanteile und Umfra-
gen zeigen, hat das alte Modell mit dem
heutigen Verhältnis von Provisionshöhe
und Leistung ausgedient. Hinzu kommt,
dass Interessenkonflikte programmiert
sind, denn in Deutschland darf der Pro-
visionsmakler für beide Parteien gleich-
zeitig tätig sein. International ist das völ-
lig unüblich.
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„Durch die Möglichkeiten der modernen Medien ist der
Nachweis einer Adresse kein brauchbarer Aufhänger
mehr für eine Provisionsbegründung. Diese Information
beschafft sich der Verbraucher mehr und mehr selbst.
[…] Die Beratung tut aber not. “
Man setzt auf Bewährtes – noch ...
Interview mit
Harald Blumenauer