Seite 20 - CONTROLLER_Magazin_2010_06

Basic HTML-Version

18
Aufgrund der Uneinheitlichkeit der Risikokata-
loge in der Literatur und um den branchenspe-
zifischen Besonderheiten von Dräger Rechnung
zu tragen, wurden zudem die
Risikofelder ei-
niger Unternehmen der Medizin- und Si-
cherheitsbranche
auf der Grundlage ihres
Geschäftsberichts analysiert.
9
Die Analyseer-
gebnisse bestätigten einerseits die Risikofelder
aus der Literaturrecherche, andererseits ka-
men branchenspezifische Risikofelder zum Vor-
schein. Beispielsweise sind Technologieunter-
nehmen in starkem Ausmaß F&E-Risiken oder
Patentrisiken ausgesetzt. Für Unternehmen der
Medizin- und Sicherheitstechnik sind darüber
hinaus rechtliche Risiken, z. B. aus dem Pro-
duktzulassungsprozess oder der Produkthaf-
tung, besonders relevant.
Um spezifische Risikofelder für Dräger zu ermit-
teln, wurde als drit tes eine
Analyse ver-
gangener SWOT-Analysen
der Unterneh-
mensbereiche Medizintechnik und Sicherheits-
technik vorgenommen. Diese konnten erste
Aufschlüsse über bedeutende Risiken für Drä-
ger liefern.
Insgesamt wurden die in Abbildung 3 gezeigten
Risikofelder für die anschließende Ermittlung
der Einzelrisiken ausgewählt.
Die Risikofelder sollten möglichst alle Risiken
von Dräger abdecken und externe wie auch in-
terne Risiken sowie operative und strategische
Risiken umfassen. Bei der Unterteilung der in-
ternen Risiken orientieren sich die Risikofelder
an den Funktionsbereichen des Unternehmens.
Das hat den Vorteil, dass sich die Mitarbeiter
für die Identifikation der Risiken ihres Bereiches
direkt verantwortlich fühlen. Weiterhin haben
die SWOT-Analyse und die Erfahrungen der
Mitarbeiter des zentralen Risikomanagements
auf bisher wenig beachtete Risikofelder auf-
merksam gemacht, z. B. „Management of lar-
ge-scale projects“.
Erhebung potenzieller Risiken
Um den Risikokatalog mit Einzelrisiken zu fül-
len, erfolgte im nächsten Schritt die Erhebung
von potenziellen Risiken für Dräger mit Hilfe ei-
ner Ex-post-Analyse, einer Mitarbeiterbefra-
gung sowie Beispielen aus der Literatur.
Die
Ex-post-Analyse
beinhaltete die Analyse
von bestehendem Risikokatalog und Risiko-
berichten. Bei der Analyse wurden die Risiko-
berichte der letzten zwei Jahre berücksichtigt.
Zudem wurden einige Stichproben aus älteren
Berichten genommen. Der vorhandene Risiko-
katalog beinhaltete bereits eine Vielzahl poten-
zieller Risiken. Da diese auch noch in Zukunft
von Relevanz sind, fanden sie im neuen Risiko-
katalog Berücksichtigung. Teilweise wurden
die Risiken jedoch anderen Risikofeldern zu-
geordnet. Auch Risiken aus den Risikoberichten
wurden in den Risikokatalog aufgenommen.
Insgesamt wurden so 192 Risiken in den Risiko-
katalog eingeordnet.
Zur Erhebung weiterer potenzieller Risiken wur-
de eine
schriftliche Mitarbeiterbefragung
durchgeführt. Eine Mitarbeiterbefragung hat
den Vorteil, dass ein sehr großer und breiter
Personenkreis – auch aus ausländischen Toch-
tergesellschaften – eingebunden wird. Außer-
dem wirkt sich die Einbeziehung der Mitarbeiter
positiv auf deren Akzeptanz aus. Die Befragung
wurde schriftlich vorgenommen und erfolgte
entlang der definierten Risikofelder, die den
Mitarbeitern als Orientierung dienen sollten.
Insbesondere für die Befragung war ein solcher
Leitfaden notwendig, um eine möglichst um-
fassende und bereichsübergreifende Erhebung
aller potenziellen Risiken des Unternehmens zu
erreichen.
Den Mitarbeitern wurde eine Excel-Tabelle
zur Verfügung gestellt, in der sie zu jedem
abgebildeten Risikofeld mögliche Risiken
eintragen konnten.
Es wurde im Rahmen der
Befragung explizit darauf hingewiesen, dass die
Mitarbeiter nicht nur Risiken ihres Bereichs,
sondern zu allen vorgegebenen Risikofeldern
nennen können. Damit wurden die einzelnen
Risikofelder aus unterschiedlichen Blickwinkeln
betrachtet, um neue Risiken aufzudecken, die
von den Risikoverantwortlichen in der Weise
bislang nicht gesehen wurden. Eine Beschrei-
bung der Risikofelder unter Nennung einiger
Beispiele erbrachte bei den Mitarbeitern das
notwendige einheitliche Verständnis für die Ri-
sikofelder (vgl. Abb. 3).
Weiterhin wurde bei der Auswahl des befragten
Personenkreises darauf geachtet, dass alle Un-
ternehmensbereiche in die Befragung einbezo-
gen wurden und sowohl Vorstandsmitglieder
und Geschäftsführer als auch die Verantwort-
lichen der operativen Bereiche an der Befra-
gung teilnehmen konnten. Damit auch länder-
spezifische Risiken in den Risikokatalog einflie-
ßen, wurden zudem einige ausländische Toch-
tergesellschaften befragt.
Um eine hohe Rücklaufquote zu erhalten, wur-
den die Mitarbeiter gezielt angeschrieben. Das
Anschreiben beinhaltete die Begründung des
Vorhabens, damit die Mitarbeiter die Relevanz
ihrer Teilnahme an der Befragung erkennen
konnten. Insgesamt wurden 35 Dräger-Mitar-
beiter einbezogen. Davon haben 21 Mitarbeiter
potenzielle Risiken zurückgemeldet. Die meis-
ten Befragten haben nicht nur zu einem Risiko-
feld Risiken genannt, sondern über mehrere Ri-
sikofelder hinweg. Es wurden
insgesamt 272
potenzielle Risiken
für Dräger erhoben. Aller-
dings ist anzumerken, dass hier auch einige
Doppelnennungen inbegriffen sind, die im fol-
genden Entwicklungsprozess noch bereinigt
werden mussten.
Risikozuordnung und Bereinigung
Im nächsten Schritt wurden die erhobenen Ri-
siken aus der Ex-post-Analyse und der Befragung
zusammengefasst in einer Tabelle dargestellt und
den jeweiligen Risikofeldern zugeordnet, sofern
dies noch nicht geschehen war. Insgesamt wur-
den 464 potenzielle Risiken identifiziert.
Auf Basis dieser Tabelle wurde die Bereinigung
der Risiken vorgenommen, d. h. es wurden sol-
che Risiken eliminiert, die innerhalb eines Risi-
kofelds doppelt genannt wurden. Nach der Be-
reinigung blieben noch 283 Risiken erhalten.
Bildung der Risikokategorien
Im nächsten Schritt wurden die potenziellen Ri-
siken innerhalb der Risikofelder weiter syste-
matisiert. Dabei wurden zu jedem Risikofeld Ri-
sikokategorien gebildet. Bei der Risikokategori-
sierung wurden die Risiken mit ähnlichen Cha-
rakteristiken in einer Gruppe (Risikokategorie)
zusammengefasst. Für die gebildete Risikoka-
tegorie musste dann ein geeigneter Begriff ge-
funden werden, der auf alle genannten Risiken
Ableitung eines Risikokatalogs