Editorial
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
viele von Ihnen werden mit Budgetarbeiten beschäftigt sein. Wir beim
VCW haben ein Wirtschaftsjahr ab dem 1. Juli, somit sind diese Arbeiten
schon lange abgeschlossen und unser Fokus liegt auf Abweichungsana–
lyse und Erwartungsrechnung (Forecast) sowie auf der Einführung un–
seres Controller Office Professional Ende Januar 2009.
Mehr
zum Thema
„Moderne Budgetierung" finden Sie in diesem Heft in einem Beitrag des
Internationalen Controller Vereins ab Seite 80.
Budgetierung wird oftmals als aufwendig und mühsam empfunden. Ge–
rade von Managern höre ich das öfters. Ich entgegne dann, dass das „es
erreichen Wollen" ein Gewinn einer Planungsarbeit sein soll. Die Identifi–
kation und die Motivation, ein Ziel mit Freude und Anstrengung schaffen
zu wollen - wie beispielsweise im Sport - versuchen wir über ein sol–
ches Instrument in die Unternehmen hinein zu holen,
Effektivität = Qualität * Akzeptanz
Effektivität in der Umsetzung gleicht Qualität mal Akzeptanz, hat ein kluger
Kopf vor vielen Jahren formuliert. Google findet für diese Formel ca.
78.000 Nennungen. Bei
der
Unternehmensplanung geht es ums: Mög–
lichst
alles bedactit iiaben, ohne dabei die Freiräume zu sehr einzuschrän–
ken. Napoleon hat formuliert: „Befehle
müssen
knapp und
ungenau
sein,"
Offiziere sollten sich nicht hinter fehlerhaften
Details
verstecken können,
sondern verantwortlich imSinne der vereinbarten Ziele handeln.
• Dr. Klaus Eiseimayer
Chefredakteur Controller Magazin,
Verlag für ControllingWissen AG
Trainer und Partner der Controller
Akademie AG
wältigen." Die Antwort dieses Managers hatte bis dato so noch nie je–
mand gegeben: „Dann besorge ich Ihnen innerhalb einer Woche 10Mit–
arbeiter für die Dauer von 3 Monaten. Ist einer von denen in der Zeit
nicht voll ausgelastet, dann . . . I " (und was hier folgte waren sehr deut–
liche, unmißverständliche Worte). Der zuständige Kollege kam dann mit
weniger Mitarbeiter aus und schaffte es in den 3 Monaten.
Energie freisetzten
Die
Mischung aus Umsetzungswillen, aber auch dem Genehmigen nötiger
Ressourcen setzte
damals enorme Kräfte frei. In einer schwierigen
Zeit
konnten wir enorm viel Positives (auch im Unternehmensergebnis) als
Resultat erreichen.
Qualität ist, wofür wir Controller bei einer Planung sorgen, nach dem Mot–
to so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Ohne Akzeptanz wird in der
Umsetzung aber nichts gelingen, ist eine Planung nicht viel mehr wert als
das Papier, worauf sie gedruckt wird. Akzeptanz heißt Mitarbeiter zu
überzeugen, abzuholen, mitzunehmen, zu ermuntern und für eine Sache
zu gewinnen. Manchmal braucht es dazu ein wenigmehr:
Durchsetzungskraft
1991 bis 1994 habe ich für eine Porsche Tochter
geartDeitet,
die wir
an
Magna (Automobilzuliefergruppe mit Sitz in Toronto, Kanada) verkauft
haben. Ich bin dorthin mitgegangen und habe viel gelernt von der „ande–
ren" Kultur Ein Beispiel hat sich mir besonders eingeprägt. Bei uns wa–
ren Basisdaten imERP-System fehlerhaft (Arbeitspläne, Stücklisten). Der
neue Magna Geschäftsführer verlangte natürlich alles richtig zu stellen.
„Aber das war doch schon immer so ..." bekam er als Anhwort. Sein
nächstes Statement war deutlicher, binnen 3 Monaten müßten alle Ba–
sisdaten stimmen, so wie bei den hunderten anderen Magna-Firmen
auch. Die Reaktion des zuständigen Kollegen fiel aus wie fast schon er–
wartet: „Dafür brauchte ich ja 10 zusätzliche Mitarbeiter, um das zu be-
Für mich ist Planung und Budgetierung sinnvoll, wenn nach dem Prinzip
Führung durch Ziele ein Rahmen vereinbart wird, dem Unternehmensziel
und den strategischen Vorgaben entsprechend, der ausreichend Frei–
raum läßt zumGestalten! Wenn Mitarbeiter und Führungskräfte sichmit
vereinbarten Zielen identifizieren (Akzeptanz), dann werden sie selbst das
Richtige richtig tun (Qualität), diese auch zu erreichen. Als Controller sind
wir aufgerufen, dabei sinnvoll zu unterstützen.
Ich wünsche Ihnen qualitativ gute Arbeit durch die beteiligten Personen
selbst, soviel Motivation wie möglich und auch die nötige Durchsetzungs–
kraft, wo sie als Anschubhilfe gebraucht wird.
Dr Klaus Eiseimayer
Herausgeber